Schaurig schönes Spektakel: Kunz von Kauffungen auf dem Obermarkt

Der spektakulärste sächsische Kriminalfall des Mittelalters wird im Festjahr "850 Jahre Freiberg" wieder lebendig. Am 27. Mai wird auf dem Freiberger Obermarkt das schaurig schöne Schauspiel um den Prinzenräuber Kunz von Kauffungen aufgeführt. 

Die meisten Freiberger kennen jenen Pflasterstein auf dem Obermarkt, der genau die Stelle markiert, an der Ritter Kunz von Kauffungen am 14. Juli 1455 enthauptet worden sein soll. Eine Woche zuvor war er, unterstützt von drei Dutzend Helfern, ins Altenburger Schloss eingedrungen und hatte die beiden Söhne des sächsischen Kurfürsten geraubt. Er wollte die Prinzen 
Ernst und Albrecht als Faustpfand entführen und von Böhmen aus die Rückzahlung der Schulden erzwingen, die er zuvor auf gerichtlichem Wege nicht erlangen konnte. Der Kurfürst seinerseits hatte geltend gemacht, dass vielmehr Kauffungen ihm eine hohe Summe schulde. So sah Kunz von Kauffungen nur die Möglichkeit, auf dem Wege der Fehde - sie galt in dieser Zeit noch als erlaubtes Rechtsmittel - zu seinem Gelde zu kommen. Doch die Prinzenräuber wurden noch vor der böhmischen Grenze gefasst. Der Kurfürst ließ Kunz in den Freiberger Rathauskerker bringen. Denn die Silberstadt hatte damals als einzige kursächsische Stadt das Recht, über Verbrechen gegen den Landfrieden zu richten. Die Freiberger Ratsherren bestätigten in einem Schnellverfahren die Anklage wegen schweren Landfriedensbruchs. Und schon am nächsten Tag wurde Kunz enthauptet. Auf wessen Seite wirklich das Recht war, ist bis heute umstritten … 

Nach mehr als fünfhundert Jahren verliert Kunz in Freiberg wieder seinen Kopf  – auf der Theaterbühne. Freiberger Amateurschauspieler, die "Kunz´SpielLeute", haben sich unter der Leitung von Regisseur Andreas Pannach der Historie angenommen. Bei der Stückfassung hat sich Autor Roland Dreßler im Großen und Ganzen an die Historie gehalten. "Nur 
bei der Figur des Küchenjungen Hans Schwalbe, der dem Kunz in Altenburg entscheidend geholfen haben soll, ist es mehr Dichtung als Wahrheit", verrät er. "Schließlich ist das Schauspiel keine akademische Lehrstunde zur Landesgeschichte Sachsens, sondern vielmehr ein Spektakel, bei dem die Zuschauer genau so viel Vergnügen haben sollen wie die 
,Acteure und Actrisen‘, die schon seit Wochen für die Premiere proben." 

Das Schauspiel "Kunz von Kauffungen" findet am Pfingstsonntag, 17 Uhr, auf dem Obermarkt statt. Es ist eine Veranstaltung
des "850 Jahre Freiberg" e.V. und wird vom Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen gefördert. Der Eintritt ist frei!